Berichte

// Aktion "Disco-Fieber" am Rottmayr Gymnasium Laufen 19.04.2019
Ein Autobrand in Mayerhofen. Was sich eher als Routineeinsatz ankündigte, erwies sich wenig später als Tragödie. An einem Sonntagmorgen verbrannten vier junge Menschen in ihrem Kleinwagen. Wenn Polizeihauptkommissar Jörg Tiedke und Feuerwehrkommandant Herbert Kitzberger heute, fast 14 Jahre später, davon erzählen, vibriert noch immer ihre Stimme. Erzählt haben nicht nur sie von ihren Erlebnissen im Einsatz. Die Zuhörer: Schüler der zehnten Klassen des Rottmayr-Gymnasiums, also jene, die demnächst den Führerschein machen werden. „Disko-Fieber“ nennt sich diese Aktion, die junge Fahrer warnen soll: Nicht mit Drogen und Alkohol ans Steuer. Und Hände weg vom Handy.

Bei feuchter und schmieriger Fahrbahn war der 20-jährige Fahrer in einer Rechtskurve von der Fahrbahn abgekommen, über eine Wiese gerutscht, und dann mit dem Wagen über eine massive Steinmauer geflogen. Die Steinblöcke hatten die Batterie aufgerissen, ein Lichtbogen entzündete den Wagen sofort. Der 20-Jährige starb an seinem Geburtstag. Neben ihm verbrannte seine 25-jährige Freundin, zwei 19-Jährige saßen auf der Rückbank. Als die Feuerwehr eintraf, schlugen die Flammen meterhoch aus dem Auto. „Überhöhte Geschwindigkeit auf nasser Fahrbahn“, konstatierte Jörg Tiedke, später hatte man aus der Körperhülle des Fahrers Blut entnommen und 1,2 Promille Alkohol festgestellt. Kommandant Herbert Kitzberger war einer der ersten am Geschehen, von einer Anwohnerin hatte er erfahren, dass im Wagen Menschen säßen. „Ein Kamerad hat es psychisch nicht ertragen“, berichtete Kitzberger von dem Einsatz. Weil kurz darauf die Medien aufmerksam geworden waren, hatte man den verkohlten Wagen komplett verladen und in eine abgeschlossene Halle verbracht. „Die Beine der Beifahrerin waren regelrecht in das Armaturenbrett eingeschmolzen“, schilderte der Kommandant die Herausforderung, die Toten mussten aus ihrer geknickten Haltung gestreckt werden, um sie in Särge betten zu können. „Dieses Geräusch werde ich mein Leben lang nicht vergessen“, gestand Kitzberger. „Auch ein Polizeibeamter steckt das nicht einfach weg“, unterstrich Jörg Tiedke, „die Bilder habe ich heute noch im Kopf.“ Nach so einer Tragödie gilt es, die Angehörigen zu verständigen.

Alle Reaktionen hat Tiedke bereits Ein Einsatz, den keiner vergisst erlebt: „Manche wollen es nicht wahrhaben, andere schreien, weinen, oder sitzen nur apathisch da.“ Inzwischen gibt es dafür einen Kriseninterventionsdienst. Helmut Langosch hat mit dessen Aufbau 2001 begonnen, seit 2006 werden auch Einsatzkräfte betreut. „Als Verursacher muss ich mit meiner Schuld umgehen“, weiß Langosch von vielen Fällen, bei denen andere, oft völlig Unbeteiligte ums Leben gekommen waren. Mit Kurzfilmen Schüler sensibilisiert Schuldig gemacht hatten sich etliche Fahrer und Fahrerinnen in den Kurzfilmen, die man den Schülern präsentierte. Nicht immer waren es Alkohol und Drogen, die zu den Unfällen führten, sondern auch das Hantieren am Smartphone. Beim Blick nach vorne, war es: zu spät. Simon Pawelka ist ehrenamtlicher Rettungssanitäter. Er erzählte den Schülern von einem jungen Pärchen, dass sich ein schnelles Auto gemietet hatte, und dann mit Alkohol und Drogen im Blut an einen Baumgekracht war. „24 Stunden haben die Ärzte um das Leben des jungen Mannes gekämpft“, berichtete Pawelka aus dem Krankenhaus, „seine Freundin lag im Flur gegenüber als er starb.“

Die Schüler Julian Wolf und Leonhard Kreuzer meldeten sich spontan, als Herbert Kitzberger Freiwillige suchte. Die beiden setzten sich als Unfallopfer in den völlig demolierten Kleinwagen, den Laufens Feuerwehr auf dem Gymnasiumsareal bereitgestellt hatte. Mit neun Mann rückte die Wehr an, dazu die beiden Rettungssanitäter des BRK. Kitzberger erklärte den Schüler die einzelnen Arbeitsschritte von der Stabilisierung der Verletzten über das Durchtrennen der Fahrzeugsäulen bis zum Abheben des Daches. „Wichtig ist, mit den Verletzten zu reden“, appellierte Kitzberger an alle Ersthelfer. „Jeder hat Verantwortung“, ergänzte Schulsozialarbeiterin Ramona Mühlbacher, „es geht nicht nur um einen selbst.“ So sieht das auch die Schülerin Sophie Bahr: „Im Falle des Falles jemandem den Autoschlüssel abnehmen“, sagt sie gegenüber der Heimatzeitung. Auch Sarah Weber appelliert an alle jungen Leute: „Mehr schauen und besser aufpassen.“

Auf die Frage an die Klassen, wer bei Feuerwehr oder Rotem Kreuz aktiv sei, gingen einige Hände nach oben. Trotz geteilter Meinung: Die Botschaft ist angekommen Drei jungen Burschen aus den Klassen waren die Filme mit vorhersehbarem Ausgang dann doch etwas zu viel gewesen. „Also mehr hätten es nicht mehr sein müssen“, waren sie sich einig. Aber auch bei ihnen ist die Botschaft angekommen: „Beim Fahren Finger weg von Alkohol und Drogen – und vom Handy.“ Letzteres gilt auch für Unfallzeugen: Keine Bilder und keine Filme davon machen.
 
Autor: Hannes Höfer
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