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Schulung zur Kettenzug Rettung bei Verkehrsunfällen
// Schulung zur Kettenzug Rettung bei Verkehrsunfällen 25.09.2019
Der 3er BMW war förmlich um den Baum gewickelt. Zwischen den beiden B-Säule waren kaum mehr als 50 Zentimeter, der Fahrer schwer verletzt und eingeklemmt. Das Auto einfach aufschneiden, ging in diesem Fall nicht. Was also tun? Das Fahrzeug auseinanderziehen. Wie man dabei vorgeht, demonstrierte ein ausgewiesener Fachmann am neuen Laufener Feuerwehrhaus. Laufens Aktive hatten dazu auch die Kameraden aus den umliegenden Gemeinden eingeladen. Das Interesse an der "Kettenrettung" war groß.

Es war Albert Kreutmayr, der von dem Unfall mit dem BMW erzählt hatte. Der 47-Jährige ist hauptberuflich bei der Berufsfeuerwehr Augsburg tätig. Als Rettungsausbilder ist Kreutmayr seit 20 Jahren weltweit unterwegs. Eine Rettung muss schnell gehen und es muss sicher geschehen – für alle Beteiligten. Die Anforderungen an die Rettungskräfte sind groß, und jeder Unfall ist anders. Passiert ein Unfall nachts, braucht es gutes Licht. Kurt Hagel von Setolite hatte eine Auswahl leistungsstarker LED-Leuchten mitgebracht. Variabel und stufenlos dimmbar schaffen sie Helligkeit nach Bedarf. "145 000 Lumen als tatsächlich vermessene Lichtleistung entsprechen 14 Stück Tausend-Watt-Halogenleuchten", beschrieb Hagel eine Größenordnung, die die Nacht zum Tag macht.

Mit solchem Licht startete dann die Übung. Und mit Akkugeräten, die zwar schwerer sind als die üblichen Spreizen und Scheren, aber mit wechselseitig kompatiblen Akkus rasch und variabel einsetzbar sind. Solche leitungsunabhängigen Geräte werden seit diesem Jahr auch bezuschusst. "Etwa 20 Schnitte und der Einsatz über eine halbe Stunde sind damit möglich", warb Uwe Irrgang von der Firma Weber-Rescue für deren Verwendung. Beteiligter und Beobachter der Vorführung war auch Karl Leneis aus Reitrain, der sich selbst als kleinster der großen Feuerwehr-Händler vorstellte.
Es war kein BMW, sondern ein älterer demolierter Opel, der am Hof der Laufener Wehr stand. "Ich brauche Fixpunkte", erklärte Kreutmayr die Ausgangslage. Das könne ein Lastwagen am Unfallort sein, ein Baum oder ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr. Mit zwei Ketten, zwei Bandschlingen und einer Fahrzeugwinde lässt sich das Auto nach Bedarf drehen und schließlich auseinanderziehen, um dann den "Entlastungsschnitt" zu setzen und den oder die Verletzten zu bergen. "Das ist kein Hexenwerk", beruhigte der Experte, allerdings räumte er auch ein: "So viel Platz wie hier hat man selten." Etwa 900 Euro kostet so ein Kettensatz samt Zubehör.

Kleinwagen sind bei Unfall SUVs unterlegenWie es denn bei neueren Autos aussehe, wollte einer der Aktiven wissen, etwa mit "Panzern" wie dem Audi Q7. Deren Deformation sei in der Regel weit geringer als etwa bei Kleinwagen, so Kreutmayr. Die Kleinen zögen bei Kollisionen klar den Kürzeren. Mit entsprechenden Folgen für die Insassen.

Anders als früher, als jedes neu entwickelte Auto ein großes Geheimnis darstellte, arbeite nun die Autoindustrie mit Firmen wie Weber und Leuten wie ihm zusammen, verriet Kreutmayr im Gespräch mit der Heimatzeitung. "Wir werden eingeladen und man stellt uns Prototypen zur Verfügung." Auch Elektro-Autos, die zunehmend ein Thema für die Retter würden. Stichworte hier: Hochspannung und Brandgefahr durch Batterien. "Auch E-Autos sind sicher", beruhigt der Fachmann, der nicht nur international unterwegs ist, sondern auch regelmäßig die weltweit größte Ausbildungsveranstaltung mit 600 Teilnehmern und 200 Autos organisiert. Kreutmayr kümmerte sich in Augsburg auch um die zwei Feuerwehrmänner aus Daytona im US-Staat Ohio, die im Rahmen des "BR-Job-Tausches" nach Deutschland gekommen waren.

Der Experte ist nicht zum ersten Mal in der Salzachstadt, und so spricht er von einer "gewissen Verbundenheit" mit den Laufener Aktiven. Erfahrung helfe viel bei den Entscheidungen am Unfallort, und "XMV" – der "xunde Menschenverstand". Ein "Quäntchen Glück und Gottvertrauen" könne auch nicht schaden. Trotz seiner langjährigen Erfahrung und der zahllosen Einsätze gestand Kreutmayr: "Das lässt einen nicht kalt."

So wie ein Unfall auf der A 8 bei Augsburg. Auch da flog ein BMW von der Gegenfahrbahn zuerst über einen Mercedes und anschließend in den Tour-Bus der Gruppe "Quadro Nuevo". Das Ehepaar im Mercedes starb, Gitarrist Robert Wolf war seit diesem 30. November 2008 querschnittsgelähmt. In der BR-Reihe "Lebenslinien" hat Albert Kreutmayr später die Geschichte des begnadeten Musikers verfolgt. "Das hat mich sehr berührt." Robert Wolf starb im März 2015 an den Folgen des Unfalls.
 
Autor: Hannes Höfer Fotos:  Feuerwehr Laufen (38 Bilder)
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