EINSÄTZE

HOCHWASSEREINSATZ im Stadtgebiet Laufen - Samstag, 02.06.2013
// HOCHWASSEREINSATZ im Stadtgebiet Laufen - Samstag, 02.06.2013 02.06.2013 // 00:00 Uhr
Einsatzart: Technische Hilfeleistung
Einsatzort: Laufen - Gemeindegebiet
Einsatzleiter: 1. Kdt. Kitzberger
Fahrzeuge: ELW Laufen 10/1, MZF Laufen 11/1, LF8 Laufen 43/1, TLF Laufen 21/1, LKW Laufen 81/1, LF8 Leobendorf 47/1, WLF Laufen 82/1 THL, Schlauchboot
zusätzlich alarmiert: FF Petting, FF Lampoding, FF Teisendorf, Kreisbrandinspektion, BRK, Polizei, Wasserwirtschaftsamt, Wasserwacht, Bundeswehr, EON Bayern, Erdgas Südbayern, Forstbehörde, Straßenmeisterei, Bauhof, Wasserwerk, Bürgermeister, Landwirte (Traktoren), Vereine, verschiedene Helfer
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Von Samstag, 01. bis Montag 03. Juni traf die Stadt Laufen ein Jahrhunderthochwasser der Salzach, das im gesamten Stadtgebiet zu zahlreichen Einsätzen führte. Im Landkreis Berchtesgadener Land ließ Landrat Georg Grabner am Sonntag, 02. Juni um 10.15 Uhr den Katastrophenalarm ausrufen. Allerdings kam die Stadt Laufen im Vergleich zu der Region Freilassing mit einem blauen Auge davon.

Am Samstag, um 20.30 Uhr wurde die Feuerwehr Laufen aufgrund anhaltend starker Regenfälle zu mehreren vollgelaufenen Kellern und überfluteten Straßen alarmiert. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand wusste, der vermeintlich routinemäßige Unwetter Einsatz sollte sich zu einem drei Tage andauernden Hochwasser Einsatz ausweiten.

Bereits gegen Samstagabend war in Gemeindegebiet von Laufen so viel Regen gefallen, dass der Boden das Wasser nicht mehr aufnehmen konnte und damit zahlreiche Häuser zu überfluten drohte. Unter anderem wurde die Ausstellung der Schreinerei Rettenbacher überflutet, wo durch einen Kanaldeckel Wasser in das Kellergeschoss drückte. Auch die Staatsstraße 2103 zwischen Leobendorf und Dorfen war bereits einseitig überflutet. Die Verbindungsstraße B20 auf Lepperding wurde zu einem reißenden Bach und damit komplett unterspült, die Straße musste gesperrt werden.


Samstag, 21.00 Uhr Wasserstand der Salzach 2,80 Meter



Auch in der Nacht von Samstag auf Sonntag sollte die Situation nicht besser werden, der Deutsche Wetterdienst warnte für den Landkreis Berchtesgadener Land vor einem extremen Unwetter mit Dauerregen von gebietsweise über 100 Liter pro Quadratmeter.

Aufgrund dieser Prognose wurden von der Feuerwehr Laufen und dem ebenfalls alarmierten Löschzug Leobendorf bereits gegen Sonntag 02.15 Uhr vorsorglich Sandsäcke gefüllt. Um die Situation weiter zu beobachten und schnellstmöglich auf eine Hochwasserwarnung zu reagieren, wurde die Bereitschaft im Feuerwehrhaus die Nacht über aufrechterhalten.

Um eine genaue Wasserstands Prognose der Salzach zu erhalten, informierten sich die Kommandanten gegen 02.30 Uhr bei der Flussmeisterstelle Laufen des Wasserwirtschafsamtes Traunstein über das weitere Vorgehen.
Die Einschätzungen des Flussmeisters waren jedoch nicht gerade rosig, aufgrund der Wetterprognose und der anhaltenden intensiven Regenfälle ist mit einem Wasserstand von mindestens 7,00 Metern zu rechnen. Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass die Stadt Laufen ein Hochwasser bekommen wird!! Das große Problem dabei, seit den Umbauarbeiten an der Salzach mit Sohlstufe (Höhe Triebenbach) und offenem Deckwerk wusste niemand wie sich die Salzach verhalten wird.


Sonntag, 00,00 Uhr Wasserstand der Salzach 4,20 Meter


Nach ständiger Rücksprache mit dem Wasserwirtschaftsamt wurden gegen 5.00 Uhr am Sonntagmorgen die Bewohner von Triebenbach per Lautsprecher Durchsagen vor einem zu erwartenden Hochwasser gewarnt.
Um 6.00 Uhr wurden alle Einsatzkräfte der Feuerwehr Laufen und des Löschzuges Leobendorf über Funkmeldeempfänger und Sirene ins Feuerwehrhaus Laufen gerufen.


Sonntag, 06.00 Uhr Wasserstand der Salzach 7,00 Meter - Meldestufe 2


Neben den Füllarbeiten der Sandsäcke, erreichten die Feuerwehr Laufen im Minutentakt neue Einsatzmeldungen von Anwohnern aus dem gesamten Stadtgebiet. Viele vollgelaufene Keller und überflutete Straßen waren die überwiegenden Einsatzmeldungen. Der Schwerpunkt der Einsätze lag jedoch vorerst auf den Bereichen Steinerne Gasse und Triebenbach.

Für Triebenbach entschied das Wasserwirtschaftsamt auf einer Strecke von ca. 400 Metern den bestehenden Hochwasserdamm um ca. 40cm zu erhöhen. Im Bereich zwischen dem Surspitz und der neuen Sohlstufe bestand die akute Gefahr eines Überlaufens des Hochwasserschutzes. Mit zahlreichen Sandsäcken versuchte man den Wettlauf gegen die Zeit zu gewinnen und eine schlimmere Situation für Triebenbach zu verhindern.


Sonntag, 12.00 Uhr Wasserstand der Salzach 8,10 Meter - Meldestufe 3



Da der Wasserspiegel gegen Sonntagmittag immer noch Anstieg, entschied man gegen 14.00 Uhr zusammen mit der Polizei die Bewohner von Triebenbach komplett zu Evakuieren und über Nacht in einem Hotel oder bei Verwandten unterzubringen.
Als Absehbar war, dass selbst diese Maßnahmen der Dammerhöhung nicht schnell genug voran gehen konnten und das Wasser zu schnell Anstieg, musste man den Einsatzort am Damm Triebenbach am späten Nachmittag aufgeben.

Zeitgleich war es auch in der Steinernen Gasse ein Kampf gegen die Zeit und den unaufhörlichen steigenden Wasserspiegel der Salzach. Die ersten gefüllten Sandsäcke kurz nach 06.00 Uhr gingen neben dem bedrohten Gebiet Triebenbach schnellstmöglich an die Anwohner der Steinernen Gasse. Zahlreiche Hauseingänge und Gassen mussten mit Dämmen abgesichert werden, außerdem liefen zahlreiche Pumpen um das drückende Wasser aus den Kellern zu pumpen.

Mit dem Erreichen des Wasserstandes von 8,00 Metern, kurz nach 12.00 Uhr trat die Salzach über die Ufer und floss damit in die Steinerne Gasse, über den Fischer-Huber-Parkplatz und auf die B20.
Am Sonntag, gegen 14.30 Uhr wurde die B20 durch die Polizei Laufen für den gesamten Verkehr komplett gesperrt, auch die Staatstraße 2103 zwischen Leobendorf und Dorfen musste um 13.30 Uhr wegen einer vollständigen Überflutung auf 500 Metern für den Verkehr gesperrt werden.


Sonntag, 18.00 Uhr Wasserstand der Salzach 8,80 Meter - Meldestufe 4


Neben den Brennpunkten Triebenbach und Steinerne Gasse mussten sich die Einsatzkräfte um zahlreiche weitere Einsatzstellen kümmern. Zur tatkräftigen Unterstützung wurden die Feuerwehren Petting, Lampoding und Teisendorf nachalarmiert. Vielerorts waren Keller vollgelaufen, von 10cm bis komplett Landunter war alles mit dabei, das Grund- und Oberflächenwasser suchte sich auf die verschiedensten Weisen ihren Weg in die Keller und Häuser.
Viele Bürger versorgten sich im Feuerwehrhaus Laufen mit Sandsäcken und Pumpen, weil gerade keine Einsatzkräfte zur Verfügung standen oder Sie die Feuerwehren entlasten wollten.


Sonntag, ca. 22.00 Uhr Wasserstand der Salzach 8,90 Meter - WASSERHÖCHSTSTAND



Der Hochwasserscheitel der Salzach mit dem Pegelstand von 8,90 Meter und 3.700 Kubikmetern Wasser Abfluss pro Sekunde wurde erst gegen 22.00 Uhr am Sonntagabend erreicht.Bis zu diesem Zeitpunkt wurden zahlreiche Einsätze abgearbeitet, Sandsäcke gefüllt und bestehende Sandsackdämme erhöht.

In der Steinernen Gasse konnten viele, aber nicht alle Häuser von den Fluten geschützt werden, trotz zahlreicher Helfer konnten Sandsäcke nicht schnell genug nachgeliefert werden.
Zum Wasserhöchststand war die B20 und die Steinernen Gasse ca. 1,00 Meter unter Wasser und ein durchkommen war mit Fahrzeugen nicht mehr möglich.
Rund um Triebenbach hatte sich die Salzach zu einem riesigen Meer aus Wasser ausgebreitet, nur Triebenbach mit seinen Häusern ragte wie eine Insel aus der braunen Brühe heraus.

Am Salzachdamm der Altstadt, war zum Wasserhöchststand noch ca. 1,20 Meter Luft bis zur Oberkante der Dammmauer. Hier merkte man, dass die bereits durchgeführte Maßnahme der Dammsanierung gegenüber dem Hochwasser 2002 seine Wirkung zeigte. Im Vergleich zu 2002 gelang dieses Mal viel weniger Wasser durch den Damm in die Altstadt, die Hochwasserpumpe hatte dementsprechend weniger Arbeitsstunden.


Montag, 00.00 Uhr Wasserstand der Salzach 8,53 Meter - Meldestufe 4


Genau so schnell wie das Wasser gekommen war, verschwand es auch wieder, innerhalb von nur 12 Stunden stieg der Pegel von 2,80 Meter auf 8,90 Meter und damit um ca. 6,00 Metern. Am Montag um 09.00 Uhr betrug der Wasserstand nur mehr 4,50 Meter und damit weit unterhalb der Hochwasser Meldestufe 1.

Von Samstag, 12.00 Uhr bis Montag 24.00 Uhr zeichnete die Messstelle Laufen eine Niederschlagssumme von ca. 140 Litern pro Quadratmetern auf. Die Vorhersage des Deutschen Wetterdienst (100 Liter) wurde somit um ein vielfaches überschritten.


Montag, 06.00 Uhr Wasserstand der Salzach 7,10 - Meter Beginn der Aufräumarbeiten


Als das Wasser zurück ging wurde der Schaden sichtbar, in der Steinernen Gasse war besonders in den Erdgeschossen und Kellern der Häuser alles vernichtet, Möbel und persönliche Gegenstände zum größten Teil zerstört.Zur Unterstützung der Aufräumarbeiten wurde die Bundeswehr mit der 3. Kompanie der Jägerkaserne Strub angefordert, 25 Mann halfen bei den Rückbauarbeiten der ca. 27.000 Sandsäcke und bei den ausräumen der Wohnungen. Eine Gruppe mit 11 Häftlingen der Justizvollzugsanstalt Lebenau wurde zum Entsorgen der Sandsäcke am Feuerwehrhaus Laufen eingesetzt.

Neben den Aufräumarbeiten wurden am Montag den ganzen Tag über zahlreiche Einsätze abgearbeitet, die in den vergangen Stunden aufgrund der angespannten Lage in der Steinernen Gasse und Triebenbach nicht bearbeitet werden konnten. In der Steinernen Gasse wurden außerdem zahlreiche Keller leer gepumpt, in Triebenbach konnten die Bewohner gegen 08.00 Uhr am Morgen wieder in Ihre Häuser zurückkehren. Allerdings zwang der stark erhöhte Grundwasserspiegel die Bewohner, ihre Keller in vielen Häusern immer wieder auszupumpen.

Erst gegen 21.00 Uhr am Abend konnten alle Einsatzkräfte den Hochwassereinsatz beenden.Erstaunlich dabei, vor genau 24 Stunden am Sonntag stand die Steinernen Gasse und die B20 noch 1,00 Meter tief unter Wasser. Am Montag zur selben Zeit konnte man es fast nicht glauben, denn außer den Aufräumarbeiten im hinteren Teil der Steinernen Gasse war von dem Hochwasser Einsatz nichts mehr zu sehen.


Solidarität und Unterstützung war überwältigend!!

Wenn man einem Hochwasser eine gute Sache abgewinnen kann, ist es das die Menschen zusammenrücken. Die Feuerwehr Laufen und die Bürger der betroffenen Gebiete hatten in den drei Tagen Unterstützung von allen Seiten erfahren.
Vom Sandsäcke füllen, der Verpflegung von Einsatzkräften, der Unterstützung von betroffenen Anwohnern des Hochwassers, viele Leute haben nicht lange gezögert und haben mit angepackt.
Und genau dieses Engagement macht unser Land stark und verdient aller höchsten Respekt!!!


Bei dieser Gelegenheit möchten uns wir, die Feuerwehr Laufen und die Stadt Laufen bei allen Helfern die während des Hochwassers im Einsatz waren recht herzlich bedanken!!!

WICHTIG: Aufgrund der umfangreichen Ereignisse, stellt dieser Bericht nur eine kleine Zusammenfassung des Hochwasser Einsatzes dar.
 
Autor: Feuerwehr Laufen Fotos:  FF Laufen / Verschiedene (202 Bilder)
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